1893 - Bienstädt brennt 2 mal

Gothaische Zeitung, Anfang Juni 1893:

Am Sonnabend Abend gegen 6 Uhr meldete Alarm vom Schlosse Feuer in einer Landschaft. Der Ort Bienstädt, welcher am 5. Mai schon von einem größeren Brande heimgesucht worden war, ist wiederum der Schauplatz eines Brandunglückes gewesen. Unsere Feuerwehr rückte alsbald mit zwei Wagen Steigermannschaften ab, welchen Herr Branddirektor Meurin und Herr Landrat Dr. Dietzsch bald nachfolgten. Nicht weit von der früheren Brandstätte war in zwei Hintergebäuden auf einmal Feuer ausgebrochen. In wenigen Minuten standen eine Reihe Ställe, Scheuern und Nebengebäude in Flammen, so daß die zuerst auf dem Brandplatze Erschienenen alle Mühe hatten, das Vieh in Sicherheit zu bringen, was auch nach vielen Fährlichkeiten gelang. Zeit, um die geretteten Tiere unterzubringen, war nicht vorhanden, und mußten dieselben in das freie Feld gelassen werden. Die Feuerwehren der nächsten Orte trafen bald ein, die Spritze aus Töttelstädt war die erste; selbst von Schmiera war die Feuerwehr erschienen. Bei dem völligen Wassermangel hatten die wackeren Feuerwehren einen schlimmen Stand, zumal der vor der Kirche gelegene Teich noch nicht wieder gefüllt ist und auch sonst nur wenige Brunnen zur Verfügung standen. So konnten von 26 Feuerwehren, die mit 23 Spritzen vertreten waren, nur wenige in Thätigkeit treten. Dagegen gab es für die Steigermannschaften tüchtig zu thun, da die brennenden oder bedrohten Gebäude eingerissen werden mußten. Das Feuer ist auf der nämlichen Straßenseite entstanden, wo das frühere zum Ausbruch kam, und verbreitete sich sowohl gleichzeitig inmitten eines großen Häuserkomplexes östlich wie auch westlich, so daß nach zweistündigem Brennen ca. 25 Gebäude in hellen Flammen standen. Besonders bezeichnend für die furchtbare Gewalt des Elementes ist es, daß fast gar kein Brandholz gerettet werden konnte und die Balken der Häuser, selbst wenn niedergerissen, noch vollständig verbrannten. Eingeäschert wurden die Gehöfte nachfolgender Einwohner: Landwirt Cäsar Cyriax-Schreiber: 1 Wohnhaus, 1 Scheuer, 2 Ställe; Landwirt Julius Breithaupt: 1 Wohnhaus, 2 Ställe, 1 Scheuer; Gutsbesitzer Theodor Dünckel: 1 Wohnhaus, 2 Ställe, 2 Scheuern; Landwirt Wilhelm Gärtner: 1 Wohnhaus, 2 Ställe, 1 Scheuer; Gutsbesitzer Karl Rödiger: 1 Scheuer, 1 Schafstall; Johann Ernst Schlöffel: 2 Ställe, 1 Scheuer; Landwirt Wilhelm Kallenberg: 2 Ställe, 1 Scheuer; Landwirt Wilhelm Steinbrück: 1 Wohnhaus, 2 Ställe, 1 Scheuer; Konstant. Huck: 1 Wohnhaus, 1 Scheuer, 1 Stall. Das Wohnhaus und die Scheuer des Landwirts August Krause ist stark beschädigt. Die Landwirte Cyriax-Schreiber und Gärtner befanden sich beim Ausbruch des Brandes zur Besorgung von Geschäften in hiesiger Stadt. Welcher Anblick sich beiden bei der Rückkunft darbot, ist erklärlich, wenn man hört, daß sie ihre Besitzungen schon in einen Schutthaufen verwandelt fanden. Infolge ihrer Abwesenheit waren auch die Räume verschlossen, so daß von dem Mobiliar nichts gerettet werden konnte. Die Feuerstätte bildet fast ein Quadrat und ist von kolossaler Ausdehnung. Über die Entstehungsursache des Feuers verlautet nichts, doch liegt unzweifelhaft Brandlegung vor. Die Gothaer Feuerwehr kehrte erst gestern Vormittag hierher zurück. Das Dorf, welches nur 89 Feuerstätten zählt, dürfte lange Zeit brauchen, ehe die Spuren dieser beiden furchtbaren Katastrophen vom 5. Mai und 4. Juni vollständig verwischt sind.

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